NIETZSCHE POP!

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Gerade stolperte ich über den topaktuellen wie todschicken Kölner Science Slam, co-hosted by academics.de, dessen Beschreibung mich stark an mein altes Herzensprojekt Nietzsche POP! (Bild: Volker Zapf) erinnert. Hach – was waren wir doch unsrer Zeit voraus, kiddos! Posthum geboren, wie our main man, FN, selbst von sich sagte.

Vor bald sechs Jahren in Berlin (wo sonst) gegründet, wollte der Verein ApoDio (steht für die Verschmelzung von Apollo und Dionysos – sogar noch mit eigener MySpace-Seite…it’s that old!) eintreten für…ja, wofür eigentlich? Lest selbst in unsrem Aufruf zum Mitmachen damals.

Woran es scheiterte? Ausgerechnet an deutscher Bürokratie und der Tatsache, dass wir, wie unser Sedlmair es so subtil besingt, halt doch nur ein “Scheiß Verein” waren. Was natürlich total unsexy ist und nicht mit Nietzscheschem elitären Individualismus zu, höhö, vereinen.

– Nun denn: Meine Hoffnung, dass dieses grandiose Festival/Experiment doch noch eines Tages steigen wird, stirbt sicherlich zuletzt. Mit meinem all-time favourite Tagungsordnungspunkt, Dionysischem Action-Painting.

CALL FOR PAPERS, SONGS AND PICTURES

NIETZSCHE POP!

Oder: Die Umwertung einiger Werte

Was ist NIETZSCHE POP!?

NIETZSCHE POP! ist ein Rockkonzert. Eine Workshopreihe. Ein Filmforum. Ein wissenschaftliches Kolloquium. Und so einiges mehr. Hauptsächlich ist es eine Veranstaltungsreihe, die im September 2008 – drei apollinisch-dionysische Tage und Nächte lang – in einem philosophischen Festival-Experiment samt Buch und CD  eruptieren wird.

Vor allem ist NIETZSCHE POP! der Name des ersten Projekts der literarischen Gesellschaft ApoDio – wider den deutschen Ernst.

Und was ist ApoDio?

ApoDio wurde im Frühjahr 2007 in Berlin von einer internationalen Gruppe relativ junger Geisteswissenschaftler, Journalisten, Multimedia-Nerds, Kunstschaffender und anderen typischen Vertretern des mehr oder weniger intellektuellen Prekariats (deren kennzeichnendes Merkmal gemeinhin ein furchtloser Umgang mit dem Thomas-Mann-Schachtelsatz ist) gegründet, um den Austausch zwischen Hoch- und Subkultur, aber auch zwischen Wissenschaft und Leben, zu fördern.

Worum geht es ApoDio bei NIETZSCHE POP!?

ApoDio will die, so scheint es, leider immer noch typisch deutsche Dichotomie „Spaß vs. Ernst“ durchbrechen, getreu Nietzsches Aufruf „Frei — sei unsre Kunst geheissen,/ Fröhlich — unsre Wissenschaft!“ Fröhlichkeit ohne Verflachung, Substanz mit Spaß haben wir uns auf unsere Badges (Stk. 1,50 €; 12 Stk. nur 18 €) geschrieben (anders als Mainz 05 sind wir nicht nur ein Karnevalsverein).

(Räuspern im Publikum, Aufs-Mikrofon-Klopf-Geräusch, betretenes Schweigen)

Zudem verfolgen wir mit NIETZSCHE POP! das Ziel, Wissende der Gegenwart zu sein, denn nur so können wir das Vergangene verstehen und Baumeister der Zukunft werden, wie Nietzsche in seiner Zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung fordert. Nicht Abschottung im immer baufälliger werdenden Elfenbeinturm der Wissenschaft, kein Vor-der-Welt-Verstecken hinter trocken-elitären, in Jargon geführten Metadiskursen, sondern performativ Dialog suchen, Neues schaffen und mit Begeisterung Herzensangelegenheiten widmen werden wir uns. Apollo und Dionysos gemeinsam – ApoDio eben – versprechen erst wahres Erkennen, das für Nietzsche immer auch gleichbedeutend mit Leben ist.

An wen richtet sich NIETZSCHE POP!?

Philosophen und Kultur-, Sozial- und Literaturwissenschaftler sind natürlich eingeladen, sich Gedanken zu machen. Zum Beispiel zur Präsenz Nietzsches in der heutigen Popkultur (weitere Themenvorschläge s.u.).

Aber hier geht NIETZSCHE POP! einen Schritt weiter: Dieser Call for Papers ist gleichzeitig ein Call for Songs sowie ein Call for Short Films and Pictures. Wie relevant ist Nietzsche heute für die Schaffenden der Gegenwart, für Nicht-Experten? Wozu führt eine künstlerische Auseinandersetzung mit seinen Ideen? Und was kann die akademische Auseinandersetzung mit Nietzsche wiederum davon lernen? Nach Vorträgen zum Thema „Nietzsche und Popkultur“ auf der internationalen Tagung der Nietzsche-Gesellschaft in Naumburg sowie einer Podiumsdiskussion im Kolleg Friedrich Nietzsche der Stiftung Weimarer Klassik sind wir gespannt auf „andere“ Perspektiven auf den Anti-Philosophen.

Was sind mögliche Themen für Beiträge?

Je nach Sektionen (Musik, Film, abbildende Kunst, Multimedia) oder fürs Plenum:

– Wie steht es mit Nietzsches Präsenz in der heutigen Kultur fernab der Universitäten, Feuilletons und Opernhäuser?

– Ist er überhaupt präsent? Wenn ja, wo, und wofür vielleicht instrumentalisiert?

– Wie kann die Forschung ihrem Bildungsauftrag gerecht werden und das teilweise immer noch erschreckend verfälschte Bild des Anti-Philosophen korrigieren, das in massenhaft verbreiteten Medien grassiert?

– Wie steht es mit gelebtem Nietzscheanismus in Teilen der Sub- oder Jugendkultur?

– Ist dem „totalen Pop“ (Sky Nonhoff) gar mit Nietzsche etwas entgegenzusetzen?

– Welche von Nietzsches Texten eignen sich besonders zur Diskussion in unserem Kontext (ausdrücklich weisen wir hier bereits auf folgende Schwerpunkt-Texte hin: Die Geburt der Tragödie, Die zweite unzeitgemäße Betrachtung, Menschliches, Allzumenschliches, Die fröhliche Wissenschaft, Also sprach Zarathustra)

– Was ist überhaupt Popkultur, und wie grenzt sie sich von der Hochkultur mit ihrem Elite- und Hierarchiedenken ab?

Aber wie schrieb schon Oliver Maria Schmitt in „Anarchoshnitzel Schrien Sie“? „Nietzsche war auch Punk, vielleicht der konsequenteste überhaupt, denn er trug einen Mörderbart, heiratete ein Pferd und dachte nur, wozu er Bock hatte.“

In diesem Sinne: macht euch doch einfach Gedanken über das, wozu ihr Bock habt. Solange ihr nur mit eurem Blute schreibt, singt, dreht oder was auch immer, freuen wir uns bis zum 1.01.2008 auf eure Beitragsvorschläge! 

NIETZSCHE POP! – TOTAL HOT! 

Auf gemeinsame Grenzerfahrungen und eine spannende Tagung,

Eure ApoDianer

Berlin, im September 2007


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