OS-BLOG 2 Ost-Perspektive auf das kulturelle Leben in OS.

caro

Im Westen nichts Neues? Zurück in den Ostblock; oder: Kulturtipps mit Caro.

Im Westen nichts Neues ist ein Roman von Erich Maria Remarque, der die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten schildert – sagt Wikipedia, und von euch soll keiner sagen, im OS-Blog lerne man nichts. So könnte aber auch die Autobiographie meiner Freunde Uwe und Caro (Namen NICHT von der Redaktion geändert) tituliert sein, die sich vor dreieinhalb Jahren nach der Geburtsstadt Remarques aufmachten; mit dem Untertitel: die Schrecken Osnabrücks aus der Sicht zweier junger High Potentials.

Denn Uwe und Caro, End-Zwanziger und Psychologen beide, gehen nun zurück in den wilden Osten, in die up-and-coming Boom-Stadt, die sich gerade anschickt, Berlin in Sachen Hipstertum und Coolness den Rang abzulaufen: Leipzig. Warum sie mittlerweile durchaus mit einem weinenden Auge gehen, und wie man auch hier an der Hase ziemlich gut feiern kann, das haben sie uns vorher noch verraten, denn: Wir haben sie getrennt voneinander befragt.

Zunächst kommt Osnabrück zu Caro auf die Couch. Oder ist es umgekehrt? Egal. Sie freut sich auf ihre alte Liebe Leipzig, ist aber auch traurig, die mittlerweile lieb gewonnene Hasestadt wieder zu verlassen. Das wäre nicht immer so gewesen: Sie gibt zu, lange mit ihrem Schicksal gehadert zu haben, als sie die Stelle hier bekam. Zunächst erlitt sie einen, wie sie es nennt, „krassen Provinzschock“, als sie das erste Mal aus der Bahnhofshalle trat.

Positive Überraschungen haben aber im Laufe der dreieinhalb Jahre ihr Bild vom Leben in OS stetig gepimpt. Allen voran ist da die rasch sich einstellende Familiarität zu nennen: Da es nicht zu viele Veranstaltungen gibt (ja, das kann ein Vorteil sein!), lernt man schnell die coolen Leute kennen, und dementsprechend hat sich Caro flott einen festen Freundeskreis erobern können. Die Menschen seien offener, als man das von einer Provinzstadt denken würde. Besonders beeindruckt hat sie hier, dass es „ein paar Leute gibt, die sich wahnsinnig engagieren und dadurch die Kultur ziemlich bereichern.“ Konkret kann Caro in Sachen (Ess-) Kultur folgende OS-Highlights empfehlen:

Im .space coworking in der Georgstraße ist Platz für kreativ oder anders schaffende Freiberufler, denen zuhause am Solo-Schreibtisch die Decke auf den Kopf fällt. Abends sind dort oft Ausstellungen, Musik- oder Info-Events, und dienstags morgens gemeinsames Frühstücken jeweils prima Gelegenheiten zum fröhlichen Netzwerken.

Das regelmäßig im Februar stattfindende Barcamp +kultur bietet Gelegenheit zum Hören, noch lieber aber auch zum selbst Gestalten verschiedenster Beiträge zu aktuellen Aktivitäten Kunst- und Kulturschaffender oder deren Förderern. Ehrenamtliche Federführer sind das Medienlabor werk.statt, ebenfalls einen Besuch wert, sowie Kulturmanagerin Beate Lechler aka Raum K – beide auch involviert im Vorstand des just gegründeten Kreativnetzwerks k-quadrat, das in manch größerer Stadt seinesgleichen vergeblich sucht.

Abends empfiehlt unsere Leipziger Psychologin Nadine Linnings Tanztheater, für sie schlicht „großartig“; und tagsüber, zumindest einmal die Woche, ist ihr Lieblingsplatz mittlerweile „vor der Ladentheke am TOPP-Ostwurst-Stand“ auf dem samstäglichen Markt – mittlerweile gar zu „liken“ auf Facebook.

Bald feiert das European Media Art Festival sein stolzes 25jähriges Jubiläum, und Caro legt es uns ans Herz, ganz besonders die „mega-witzige Schlacht am kalten Büffet“ am Eröffnungsabend. Am 18. April ist es soweit.

Einen OS-Geheimtipp hat sie auch: den Stammtisch Mortale, ein Kollektiv von Elektro-Rittern, den „Rettern der Provinz“, die sehr engagiert Veranstaltungen der etwas anderen Art auf die Beine stellen. Wer also nach elektronischer Musik und Clubkultur sucht, wird am Stammtisch fündig; und im nächsten Blog erzählt uns Uwe auch noch ein bisschen mehr dazu.

Und Caro? Sie freut sich zwar auf „mehr gelbe Mäntel und rote Strumpfhosen auf den Straßen“, Sinnbild für die größere alternative Kunst- und Kulturszene Leipzigs, wird aber weiterhin regelmäßig nach OS reisen – ausgerechnet zum Feiern. Ihr größter Abschiedswunsch an die Stadt? „Ein Open Air am alten Güterbahnhof!“ Na dann…ihr habt es alle gehört. Let’s just do it!

Findet eure Katja Brunkhorst


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