OS-BLOG 3 Feier-Abend auf der Couch. Ausgehtipps mit (Fast-) Doktor Uwe.

Bei Uwe, unserem zweiten leaving Leipziger, liegt die Sache ähnlich wie bei Caro: durchmischt, und nach einem holprigen Start wuchs dann doch zusammen, was zusammen gehört: Ost und West. Doch beginnen wir von vorne. Sein erster Besuch vor vier Jahren war ein Abstecher auf dem Weg zurück nach Leipzig, nach einer durchzechten Nacht in Hamburg. An einem verkaufsoffenen Sonntag erlebte er den Weg durch die gesamte Osnabrücker Innenstadt, vom Hasetor bis zum Neumarkt, als „skurril: lauter frisch geduschte Einkaufsbürger, wir verkatert mit Hund.“ „Unspannend“ fand Uwe die Stadt, wo er in einigen Monaten anfangen sollte zu arbeiten, und fragte sich: „Und wo ist jetzt das Studentenviertel?“ Und, und, und…und jetzt?

„Der Blick ändert sich, wenn man die Menschen kennen lernt“, sagt er. Die Osnabrücker findet der Psychologe (und er muss es ja wissen) „offen, zuvorkommend und freundlich“ – viel offener sogar als die Leipziger. Zudem treffe man sich durch die örtliche Nähe von Allem und durch die Beschränktheit der Ausgeh-Auswahlmöglichkeiten immer wieder. Davon profitiere wiederum ganz besonders die Feierei. Hä? Der Psycho-Profi liefert geduldig seine Analyse: „Du hast weniger Möglichkeiten, deiner Umwelt etwas vorzuspielen, bist gezwungen, authentisch zu sein.“ Uwe, der Dozent, sei identisch mit Uwe, dem Disko-Gänger.

Es gibt keine nennenswerte Hipsterszene hier; hat ihm, Disko-Uwe, dem Großstädter, das nicht manchmal gefehlt? Im Gegenteil: „Die Cliquen in den Szenekneipen sind sich in Hamburg oder Leipzig genug.“ Es sei sehr schwer, dort Kontakte zu knüpfen; in OS dagegen treffe man dann doch alle irgendwann überall wieder. Man kann sich eben keine Starallüren leisten, wenn man bei Real an der Kasse gesehen wird und gerade eine Flasche „Toilet Duck“ bezahlt. Osnabrücker are keeping it real? Durchaus. Leipziger seien zwar schon lockerer und humorvoller, dafür herrsche ein common sense beim hiesigen westfälischen Menschenschlag, der „Dinge einfach möglich macht.“

Es ist also wieder die „viel größere Offenheit“ hier, die auch im Nachtleben positiv überrascht: Die Osnabrücker können feiern, findet der Sachse. Es gibt hier zwar “nicht so viele krasse DJs oder bunte Vögel“, dafür sei man echt und engagiert. Konkret gilt das für Uwe für vier Läden: das Mimmis und den Unikeller für Parties und zum Tanzen; das Grand Hotel und das Tiefenrausch als die Kneipen mit dem meisten Flair.

Die größte Subkulturszene der Stadt ist für Uwe zuhause im Mimmis, einem Projekt des Kulturvereins Petersburg, der vor drei Jahren am alten Güterbahnhof einen kleinen Club von Freunden für Freunde startete. Als der vom Ordnungsamt dicht gemacht wurde, entstand das Mimmis in der Skatehall am Rande des Haseparks. Hier widmet man sich mit viel Idealismus den Themen Müßiggang, Inspiration, Meinungsbildung, Menschlichkeit, Interaktion und Synergie.

Der Unikeller ist laut unseres Leipzigers hier „der einzige Laden, der Kneipenbetrieb macht UND Tanzparties und Konzerte.“ Studentennah sei das „supertolle Team“ und die Lieblingsabende von Uwe sind die Version mit elektronischen Klängen, Trust in Bass mit Dubstep sowie, genau, Drum’n’Bass, und der Basement Sound: Reggae, Ragga, Dancehall.

Seinen Tiefenrausch ausschlafen könnte man im Grand Hotel – wenn es dort Betten gäbe statt ebenso leckerer Getränke und guter DJs wie im „Rausch“, wie der kleine Laden, Kultstätte des Reverend Hardy Hardon, gerne liebevoll genannt wird.

Letzterer ist eine Osnabrücker Institution sowie lebender Beweis dafür, dass man für die echt schrillen Vögel, entgegen Uwes Ansage, eben nicht nach weiter weg ausweichen muss, sondern sie sogar gerade in den beiden Lieblingskneipen des Sachsen antrifft. Der Reverend, einst bester Elvis-Imitator des (Osnabrücker) Landes, fungiert nämlich mittlerweile als „Gott of Schlager“ Christian Steiffen, und am ersten Mittwoch des Monats kann man ihn beim „Disco Bingo“ im Hotel erleben. Seine Konzerte, zusammen mit dem Haseland-Orchester (bestehend einzig aus dem wunderbaren Martin Schmeing am Keyboard), sind Legende. Momentan sucht Christian, in seiner Nebentätigkeit als „Partyarchäologe“, mit einer handverlesenen vierköpfigen Jury „den schönsten Partykeller Osnabrücks (und des Osnabrücker Landes)“; Hauptgewinn ist ein Auftritt des Mannes himself im Sieger-Keller.

Tja, hätte Uwe DEN mal als erstes getroffen, damals vor vier Jahren, verkatert in der Fußgängerzone…er hätte sich sofort zuhause gefühlt. Zu diesem Gefühl gehört ja für viele auch ein richtig gutes Bier – und darum nimmt mich Uwe nach unserem Gespräch mit in die Grüne Gans. Dort bekommt man das beste Glas der Stadt, findet er. Dank den sexy Sachsen! Nüwoar.

Prost, eure Katja Brunkhorst


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