OS-BLOG 4 Yoga für die Augen. Ohne Madonna, dafür: meet Claudia.

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Wo waren wir? Ach ja: aus. Puh! Nach all dem Feiern, Tanzen und generellem culture vulture-Sein, dem Ihr euch sicher nach dem Lesen der letzten beiden Blogbeiträge hingegeben habt, ist es Zeit zum Durchatmen, zur Innenschau. Für Yin und Yang. Bewegung und Ruhe. Kurz: Zeit für Yoga. Doch halt! Wer von euch sich jetzt bereits in wabernden Schwaden Räucherstäbchenrauchs lässig wegpennen sieht, ist schief gewickelt.

Die GALA-LeserInnen ahnen, was ich andeute: Es geht um Ashtanga-Vinyasa-Yoga, die Art von flow-Yoga, die Madonna (immerhin Ü50!) ihre sehnigen Oberarme beschert, an denen nichts, aber auch gar nichts, mitwinkt; und der Sting seine Ausdauer im, äh, Bassspielen verdankt. “Es ist die kernigste Form von Yoga”, gibt Claudia Dalmeyer vom hiesigen Ashtanga-Studio Yoga Mala zu, “und nix für Weicheier; aber definitiv kein Sport.” Um was geht es denn dann? Ausnahmsweise habe ich Osnabrücks Yoga-Perle mal runter von der Matte und rein ins Café Mojo locken können, von wo wir uns bei großen Schalen Milchkaffee aufmachen rund um die Welt und zurück nach Osnabrück – wo auch alles begann (leise Sitar-Musik setzt ein).

Claudia ist nämlich waschechte Osnabrückerin, ging hier zur Schule und absolvierte ihre Ballett-Ausbildung. Seit sie neun ist, schätzt sie die Disziplin der Körperarbeit, erst des Tanzes, dann des Yogas, als “ein Fundament, das Dir keiner nehmen kann.” Das Tanzen führte sie schnell weit weg: über Hamburg nach Köln, London und schließlich in den fernen Osten, wo sie fünf Jahre verweilte: “Ich hatte immer so ein Ding mit Asien im Kopf.” In Japan hätte sie, die Gaijin, gar fast geheiratet, fühlte aber irgendwann mit Mitte zwanzig: “Das Tanzen ist es nicht mehr.” Auch zog es sie zurück in die Heimat, teils aus familiären Gründen, teils, weil sie ahnte, dass dort noch eine Aufgabe auf sie wartete. Was folgte, war ein Jahr der Orientierung, das Leben finanziert durch Jobs im Fitnessbereich. Doch das reichte nicht, war zu “leer”. Asien tat weiter seine Wirkung; was Claudia dort erlebt hatte, ließ sie nicht los. Der Heiler zum Beispiel, der sie nach einem Bühnenunfall in Japan lediglich durch Handauflegen gesund machte; der Inder, der sie in die Meditation einführte, ohne je Geld dafür zu verlangen, mit der Begründung: “You called me with your thoughts!”

“Ich hatte vorher so gar keinen Draht zu diesen Dingen”, sagt Claudia, die einen sehr trockenen Sinn für Humor hat, ihre Schüler ständig zum Kichern bringt und wahrlich nicht besonders “eso” rüberkommt. Doch ihre Asienreisen, später gefolgt vom Leben in einem indischen Ashram samt Ritualen im Ganges und dem Erleben der Kultstätten des Himalaya, machten ihr klar: “Das ist mein Weg, ich muss nicht mehr suchen. Es ist dort halt auch einfacher, sich auf Spirituelles einzulassen.” Ein Guru etwa – im Westen ein eher angstbesetztes Wort – wie Claudia ihn in ihrem Balaji fand, gehört dort zum Alltag und bedeutet schlicht “Lehrer”.

Das ist Claudia nun auch, seit sie 1999 die erste Yoga-Schule überhaupt in Osnabrück eröffnete, mit Leib, Seele und Passion: “Ich hab’ jeden einzelnen meiner Schüler richtig lieb”, sagt sie, und: “Das tolle ist auch, Leute über einen langen Zeitraum begleiten zu dürfen, mit Yoga zu helfen.” Vier Yogalehrer-Ausbildungen verschiedener Stile hat sie durchlaufen, eine davon mit noch gestilltem Baby: “Wenn man was wirklich will, kriegt man’s auch hin.” Mittlerweile ist Yoga Mala eine von lediglich drei BDY-zertifizierten Ashtanga-Lehrer-Ausbildungsstätten deutschlandweit. Darauf ist Claudia zu Recht stolz, und Osnabrück kann es auch sein.

Doch was ist jetzt Ashtanga und warum ist es weder Sport noch Räucherstäbchen-Rumgesitze? Man muss es wahrscheinlich am eigenen Leib erleben. Practise, and all is coming, sagt Patthabi Jois, Gründer des Ashtanga und einer von Claudias zahlreichen Lehrern – sie hinterfragt sich ständig selbst und besucht daher Fort- und Weiterbildungen rund um den Globus “wie ein Weltmeister.” Am ehesten, sagt Claudia, ist es Energiearbeit. Es geht nicht so sehr darum, Leute zu bewegen, sondern darum, ihnen zu helfen, ihren Geist zu disziplinieren und zu fokussieren – über den Körper. Und, Junge, wird der in die Mangel genommen! Claudia mag uns Schüler lieb haben, aber es ist definitiv tough love, wie sie einem dabei hilft, “das Innere über den Körper auszudrücken, sodass der Körper das Medium ist.”

Ihre Schüler liebt sie auch für ihre Loyalität, für Claudia eine typische Osnabrücker Eigenschaft: “Wenn einen die Leute hier erst mal wirklich kennen gelernt haben, und sie einen ins Herz geschlossen haben, dann bleiben sie auch.” Genauso schätzt sie an ihrer Heimatstadt ihre Erdhaftigkeit, nennt sie eine “Steinbockstadt”. Berlin zum Beispiel hat ihr “zuviel aufgeschäumte Sojamilch im Kaffee” und in London sind die Häuser endlos hoch; hier dagegen sehe man, wo sie zu Ende sind. In größeren Städten fühle man sich austauschbar, kann schon mal in den Möglichkeiten untergehen; in Osnabrück aber könne man leben, authentisch sein. Was Claudia hier besonders mag, ist das Katharinenviertel; was ihr fehlt, ist echtes Sushi: “So, wie es das da hinten gab, hab’ ich es hier noch nicht gegessen.”

À propos Essen: ich darf heute nicht mehr, 3 Stunden vor der Yoga-Session belastet das den Magen zu sehr. Vielleicht seh’ ich den einen oder die andere von euch demnächst mal bei Claudia in der Herderstraße? Ashtanga mag zwar kein Sport sein, ist aber mindestens so auspowernd. Und die besten Brötchen für den Morgen danach (die war ich euch ja noch schuldig)? Gibt es beim Bäcker Böhne in der Parkstraße, eindeutig. Honig-Walnuss…hmm, äh:

OMM! Eure Katja Brunkhorst


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