OS-BLOG 6 Dream Team Made in Osnabrück: Katrin, Kunst und Steve.

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Manchmal kann eine Stadt Amor spielen. Bei Steve McGuire und Katrin Lazaruk, die nicht nur die Kunst (und ein “und”) verbindet, war das unser aller Osnabrück. Na und, sagt ihr? Ich sag’s euch: Da mein Kerl und ich demnächst während der englischen Sommerhochzeit gemeinsamer Freunde ein winziges Cottage mit den beiden teilen werden, bot es sich an, sie vorher kennenzulernen. Verständlich, oder? Man will ja nicht mit irgendwem und überhaupt…naja.

Nun sitzen wir jedenfalls im Pollyesther’s beim Frühstück und reden übers Geschäft. Die beiden führen nämlich eins, Made in Osnabrueck in der Redlinger Straße, vor kurzem zu Gast bei Horses and Dreams in Hagen am Teutoburger Wald. Doch zäumen wir das Horse zunächst von vorne auf. Am besten im Einspänner; denn: Obwohl sie beide im Alter von zehn Jahren hier landeten, sind weder Steve noch Katrin selbst made in Osnabrück.

Katrin heißt eigentlich Katsiaryna (genau!) und kam vor 14 Jahren aus Brest, Weißrussland. Ihre Mutter war Lehrerin und fand hier an der Hase einen Job, gedacht für 6 Monate. Daraus wurde nichts (hat man also vom Denken!), denn sie lernte hier Katrins Stiefvater kennen, packte in Brest ihre Tochter ein und kam ganz nach OS. Katrins Deutsch war zunächst eher spärlich, wurde aber schnell besser. Ihr erster Eindruck von der Stadt damals? Eine einzige Erinnerung ist geblieben: „Die Wohnung lag in der Nähe des Moskaubads, und allein der Name milderte das anfängliche Heimweh.“

Ebenfalls zehnjährig, fand sich auch Steve aus Leeds plötzlich in Osnabrück wieder. Es war Mitte der Siebziger, und in England verbreitete der erste große Wirtschaftsabschwung seinen Schrecken. In Deutschland dagegen herrschte nach wie vor Mangel an Fachkräften, und Steves Vater, ein Ex- und Import-Manager, wollte Steve und seiner Schwester eine bessere Zukunft ermöglichen. Da die Mutter gebürtige Düsseldorferin ist – ihren Mann, damals Lehrer, lernte sie als Au-pair in London kennen – bot sich das an: Hier in Osnabrück konnte sie lange als Dolmetscherin für die Militärpolizei arbeiten.

Steves erste OS-Erinnerung? Ganz klar: „Vallos Imbiss an der Meller Straße. Es gibt hier keinen, der älter ist als 30 und den nicht kennt.“ Lange vor den einschlägigen Fast Food-Ketten am Start, hatte er auch als einziger bis nachts um 3 auf. Man kann sich die Szenen vorstellen, nach langen Parties in lauen Sommernächten…und das Deutsch des jungen Briten? „Darf ich bitte aufstehen?“ war der einzige Satz, mit dem Steve bewaffnet kam. Was höchstens begrenzt nützlich ist. Doch auch bei ihm änderte sich das binnen eines Jahres, nur im Elternhaus wurde noch weitere zehn Jahre Englisch gesprochen.

Und wie war das mit – tätäää! – der Sprache der Liebe? L&T machte es möglich. Vor 5 Jahren gestaltete Steve, freier Künstler, deren Markthalle und Katrin, damals in Ausbildung zur Dekorateurin, wurde ihm als Hilfe zur Seite gestellt. Aus der Hilfe wurde schnell Lebenshilfe und ihr Kunstschaffen ging in eine gemeinsame Lebensgestaltung über. 2009 gründeten die beiden dann Made in Osnabrueck.

Das erste halbe Jahr fand statt in der Martinistraße, „auf 33 qm ohne Klo und fließend Wasser“, sagt Katrin, sichtlich schüttelt es sie noch bei der Erinnerung. Steve ergänzt kichernd: „Wir mussten immer zum Friseur an der Ecke, wenn wir aufs Klo wollten!“ Moment – Friseur? Ich muss hier mal eben in unsere Love Story reingrätschen, war ich euch, liebe Gemeinde, doch noch den ultimativen Frisörtipp schuldig. Und eben jener WC-spendable an der Ecke Martini-/Herderstraße scheint es zu sein, auf jeden Fall, wenn es nach Osnabrücks coolstem Künstlerpaar geht: „Vechia von Element H ist einfach eine Alleskönnerin“, sind sie sich sicher. Vechia, ich komme!

Aber zurück zum Hauptfilm. Trotz Vechias Großzügigkeit musste ein eigenes Klo samt größerem Laden drumherum her, und als Traum-Location hatte man sich entweder die Redlinger Straße in die Köpfe gesetzt, „oder Cala Ratjada auf Mallorca.“ Da es bis nach Malle fürs erste wohl ein bisschen zu weit war, klapperten die beiden kurzerhand sämtliche Läden auf ihrer OS-Wunschmeile ab, mit der frechen Frage: „Macht ihr vielleicht demnächst zu?“ Und siehe da, obwohl sie auf viel Unverständnis stießen und auch einige Beleidigungen kassierten, erhörte sie nur 6 Monate später das Schicksal in der Gestalt von Ninas Nähladen. (Dank und Grüße an Nina an dieser Stelle, jetzt zu finden an der Kogge um die Ecke).

Und was ist so drin in Made in Osnabrueck? Zum Beispiel die Tape Art, die auch fast sämtliche Wände des Pollyesther’s ziert und die Steves und Katrins Hauptgeschäftszweig ist. Und ihre jeweilige Passion als Künstler? Steve macht riesengroße colorierte Collagen und fotorealistische Auftragsmalerei. Letztere, auch ganz ohne Auftrag, ist Katrins Ding: Sie lässt Leute ganz klassisch sitzen (no pun intended), fotografiert sie dabei allerdings und malt dann ihre Portraits in Acryl. Fotorealistisch!

Haben die beiden einen Maiwochentipp für mich? „Wir wohnen in der Maiwoche“, grinsen die Turmstraßenbewohner, und scherzen erst: „Verreisen!“, nennen dann aber die Rosenhofbühne am Herrenteichswall, „wegen der coolen Bands“. Auf was ich mich auf jeden Fall jetzt schon freue, ist das Staubsaugerrennen durch die gesamte Redlinger Straße, das sie während der nächsten Kulturnacht im September organisieren, für einen guten Zweck. Sponsoren sind übrigens noch herzlich willkommen!

Wir verabschieden uns, „bis spätestens August!“ Das English country wedding mit den beiden wird bestimmt super. Auf dem Nachhauseweg fällt mir allerdings noch eine Frage ein, die ich dringend hätte stellen sollen. Steve McGuire und Katrin Lazaruk – schnarchen Sie? Damn…ich sehe die Ohrstöpsel vor mir. Fotorealistisch.

Thank you and good night,

Eure Katja Brunkhorst


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