OS-BLOG 8 Vom Ostblock über Oz nach OS. Hot, backpackin' Cathrin tells all!

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Die Sonne knallt auf die Dächer Osnabrücks. Endlich! Der Sommer ist da. Darauf stoße ich an, mit einer Tasse Tee aus den schottischen Highlands und mit Cathrin Eßbach. Cathrin kannte ich bis eben noch nicht; sie lobte den OS-Blog und ich frug sie frech, ob sie nicht auch Blog werden wolle. Sie wollte! Und kommt auch, und ganz zufällig, wie former OS-Blog Maik (die beiden kennen sich nicht), aus Wismar, Meck-Pomm.

Cathrin ist Hostelière – den Begriff hat sie mit erfunden. Vor 11 Jahren gründete sie hier eines von damals nur zehn Hostels in ganz Deutschland („Heute kannste ‘ne Null dranhängen!“ sagt sie), das Penthouse Backpackers, neben einem Vollzeitjob als Architektin. Warum in Osnabrück? Ein fußballbegeisterter Osnabrücker war’s, den sie vor 14 Jahren auf einer Baustelle in Hessen kennenlernte. Erst folgte er ihr stehenden Fußes auf einen 9-monatigen Trip durch Australien und Malaysia, um sie dann, pünktlich zur WM ’98, an die Hase zu locken. Sie hat sich sofort in die Stadt mitverliebt – und blieb.

Das muss sie mir näher erklären! „Es war sowieso egal, wo ich anfange. Nach Berlin wollte ich nicht zurück. Und hier hatte ich direkt, und zum ersten Mal im Leben, das Gefühl: Ich bin zuhause.“ Cathrin strahlt. Nicht nur übers ganze Gesicht und in der heißen Maisonne auf ihrer Penthouse-Dachterrasse. Für sie wurde garantiert der Begriff „Powerfrau“ erfunden. Was sie mir in den nächsten anderthalb Stunden erzählt, würde für zehn Leben reichen, haut mich um und wird leider auch nicht in Gänze ein Plätzchen hier finden.

Aber kein Problem: Cathrins Hostel liegt sehr zentral in der Möserstraße, und seit sie vor ein paar Jahren ihre feste Stelle bei der Stadt kündigte, um sich ganz ihrer Leidenschaft zu widmen, trifft man sie dort regelmäßig an, denn: „Backpacker sind offene Menschen, die mit wachem Blick durch die Welt gehen“, und sie genießt an ihrem Job, „denen für kurze Zeit ein Zuhause zu geben“. Und natürlich, dass sie niemanden fragen muss, ob sie Urlaub machen kann!

Und den macht sie, neben ihren früheren ausgedehnten Reisen durch die halbe Welt, jetzt quasi jedes Wochenende: In Hude bei Oldenburg hat sie sich mit ihrem jetzigen Mann Jan, einem Schlagzeug spielenden Bäckermeister, Altenpfleger und Isolierer, einen alten Lebenstraum in Form einer noch älteren Mühle geleistet. Den Sachsen Jan hat sie übrigens, als das mit dem Osnabrücker Fußballer schon Geschichte war, als ihren Gast im Penthouse kennengelernt.

Neben Handwerkern auf Montage, wie ihm damals vor vier Jahren, beherbergt Cathrin hauptsächlich Studenten und Rucksackreisende aus ganz Deutschland, aber auch international. Cognitive Sciences etwa, weltweit der erste Studiengang seiner Art, lockt Leute aus der ganzen Welt nach Osnabrück. Toll für die Gastgeberin: „Ich finde es sexy, wenn jemand einen Wortschatz hat, der über 300 Worte hinausgeht.“ An Cathrins Hostel schätzen ihre Gäste wiederum die Möglichkeit zur Kommunikation: als Mittelding zwischen Pension und WG ist es fest etabliert, u.a. im Backpackernetwork.de, als Garantie, dass sich Individualreisende durch ganz Europa nicht einsam fühlen müssen.

Und Cathrin schlägt zwei Fliegen mit einer Backpacker-Klappe: Einerseits hat sie hier endlich die Erdung gefunden, ihr „Schicksal“, wie sie es nennt; von dem sie lange Angst hatte, es zu verpassen oder nicht zu sehen. Es war aber nicht nur das „Whoa, wie ist das niedlich hier!“-Gefühl, das sie sofort beim ersten Besuch erfüllte. Ihrem „Seelenverwandten“ Jan ging es ähnlich, zum Glück, denn so blieb auch er: „Was ist das für eine lebendige, schöne friedliche Stadt!“, fand er auf Anhieb. Cathrin, die vorher unter anderem auch in Berlin gelebt hat, präzisiert noch mal: „Ich kann mir vorstellen, dass woanders der Input zu stark ist, um sich selber denken zu hören.“ OS beschreibt sie dagegen als „freies Feld, man kann einfach loslaufen.“

Losgelaufen ist sie mit ihrer Leidenschaft für, nun ja, Länder, Menschen, Abenteuer. Nur, dass sie sich die jetzt einfach nach Hause holt. Schlau, die Frau! „Türen gehen auf, wenn man sein Ding durchzieht“, meint Cathrin mit ihrem Megawatt-Lächeln, und sie ist selbst der wandelnde Beweis dafür. Sogar einen Müller-Lehrgang haben sie und Jan noch drangehängt, weil die alten Handwerkstechniken interessierten. Zwar sagt der „Physik-Mensch“, die Bauingenieurin Cathrin, über Zahnräder & Co.: „Das ist für mich geil wie Sex, zu lernen, wie so was funktioniert; das macht mich an, wie sich Kräfte umsetzen“; aber es war auch schnell klar, definitiv keine Mühle betreiben zu wollen. Die dafür nötige Leidenschaft fließt bei Jan bereits in die Musik, und bei Cathrin – ins Penthouse natürlich. „Ich war bestimmt die erste, die eine feste Stelle bei der Stadt gekündigt hat“, freut sie sich immer noch über die Gesichter der Kollegen damals.

Aber was die Entscheidung gegen die Angst und für den eigenen Lebenstraum mit einem Menschen machen kann, falls er die geeignete Erdung unter und liebevolle Unterstützung neben sich weiß – das schaut euch am besten schnell selbst an. Der Tee des schottischen Gastes jedenfalls schmeckt in der Frühsommersonne am besten, hab’ ich mir sagen lassen.

G’day mate!

Eure Katja Brunkhorst


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