STYLE BLOG Nietzsches Definition von Stil und warum Frau Aguilera keinen (mehr) hat

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Style glass, not just half empty. –

Das Folgende hat nicht Karl Lagerfeld gesagt, obwohl man es meinen könnte:

Man durchwandere eine deutsche Stadt — alle Convention, verglichen mit der nationalen Eigenart ausländischer Städte, zeigt sich im Negativen, alles ist farblos, abgebraucht, schlecht copirt, nachlässig, jeder treibt es nach seinem Belieben, aber nicht nach einem kräftigen, gedankenreichen Belieben, sondern nach den Gesetzen, die einmal die allgemeine Hast und sodann die allgemeine Bequemlichkeits-Sucht vorschreiben. Ein Kleidungsstück, dessen Erfindung kein Kopfzerbrechen macht, dessen Anlegung keine Zeit kostet, also ein aus der Fremde entlehntes und möglichst lässlich nachgemachtes Kleidungsstück gilt bei den Deutschen sofort als ein Beitrag zur deutschen Tracht. Der Formensinn wird von ihnen geradezu ironisch abgelehnt — denn man hat ja den Sinn des Inhaltes: sind sie doch das berühmte Volk der Innerlichkeit. Nun giebt es aber auch eine berühmte Gefahr dieser Innerlichkeit: der Inhalt selbst, von dem es angenommen ist, dass er aussen gar nicht gesehen werden kann, möchte sich gelegentlich einmal verflüchtigen; aussen würde man aber weder davon noch von dem früheren Vorhandensein etwas merken.

Nein! Willkommen, vielmehr, zur ersten Folge von theWord‘s very own STYLE BLOG, heute total krass a.k.a. Mathe mit Nietzsche: INHALT – FORM = BARBAREI.

Oops! The style just went out the window.

Worauf es selbigem nämlich hier, in seiner Zweiten unzeitgemäßen Betrachtung, ankommt, ist die “Vernichtung des Gegensatzes von Form und Inhalt”. Warum ich das vom alten Fritze so einfach re-blogge? Weil ich finde, Form und Inhalt zusammen zu denken, stünde gerade uns Schreiberlingen, Werbern, Web- und anderen Designern, und gerade hier in Deutschland, tatsächlich gut zu Gesicht.

Style, from a considerable distance.

Ich jedenfalls versuche, mir das auf die Fahne zu schreiben – ohne daraus gleich, wie Nietzsche es am liebsten sähe, eine französische zu machen. Die Franzosen, findet er, haben nämlich Stil: Sie trennen Inhalt nicht von Form. Letztere, übrigens, vermisst man stets mehr und mehr im Umgang untereinander. Wie wär’s mal wieder mit mehr Verbindlichkeit, Integrität, Höflichkeit? Von Fairness ganz zu schweigen.

Style, up in the air. SO hot right now.

Ach ja, und die Kultur: Die hat, na klar, auch mit Stil zu tun. Wie genau, dürfte vor allem den Grafikern unter uns aus der Seele sprechen und steht in Nietzsches Erster Unzeitgemäßen:

Kultur ist vor allem Einheit des künstlerischen Stiles in allen Lebensäusserungen eines Volkes. Vieles Wissen und Gelernthaben ist aber weder ein nothwendiges Mittel der Kultur, noch ein Zeichen derselben und verträgt sich nöthigenfalls auf das beste mit dem Gegensatze der Kultur, der Barbarei, das heisst: der Stillosigkeit oder dem chaotischen Durcheinander aller Stile.

Illustration des oben Behaupteten. (Foto von einem Foto, NICHT aus der IN STYLE.)

In diesem Sinne: Gemeinsam wider die Barbarei! Unter der kosmopolitischen Flagge des guten Stils. Das ist zumindest der Anspruch hier bei theWord, nicht nur an uns selbst, sondern auch für – und an – unsere Kunden, Partner und Kollaboratöre (in spé).


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